„Es ist eine große Belohnung für mich, in dieser Band zu sein und diese Musik zu machen“
Das zweite Album von Person L macht mehrere Dinge deutlich. Erstens: Das 2006 in Philadelphia gegründete Quintett war mit seinem Debüt
Initial – von Vasoli auf seinem eigenen Label Human Interest veröffentlicht – kein One-Hit-Wonder. Zweitens: Die Band dient Vasoli weder als Ablenkung noch ist sie ein kurzzeitiges Projekt nachdem sich seine langjährige Band The Starting Line für unbestimmte Zeit eine Auszeit nahm. Und zuletzt: Das
The Positives betitelte Album zeugt von solch einer Entwicklung und solchen Fertigkeiten Vasolis und seiner Mitstreiter, dass dies offensichtlich erst der Anfang einer sehr langen musikalischen Karriere sein wird.

Nach der Veröffentlichung von
Initial verbrachten Person L Monate auf Tour: Mit Anthony Green, Good Old War, Motion City Soundtrack, Steel Train und Ace Enders. Im Juni 2008 absolvierten sie einen Auftritt beim Bonnaroo Festival in Memphis und konnten dort Lob von Fuse und SPIN.com ernten. Im Februar 2009 flog die Band nach Lakeland in Florida in das Studio von Aaaron Marsh (Copeland). Vasoli, der Marsh seit der gemeinsamen Tour von The Starting Line und Copeland gerne als Produzenten für das nächste Album verpflichten wollte, sprach lange mit Marsh über die Vorstellungen, welche die Band für
The Positives entwickelt hatte.
"Es macht das Songwriting so viel einfacher, wenn man auf derselben Wellenlänge liegt, aus der Musik dasselbe machen möchte und in ähnlichen musikalischen Bahnen denkt", sagt Vasoli.
"Es lief einfach reibungslos. Wir mögen alle die verschiedensten Musikrichtungen. Es gab also keine Einschränkungen, wenn es darum ging, was wir alles machen können. Wir wollten unsere Qualitäten rau und dreckig verpackt auf die Platte bekommen, aber gleichzeitig sollte das Ganze inhaltsreich und farbenfroh sein. Wir haben alle fünf an diesen Songs mitgewirkt, und infolgedessen spiegeln sich auch die verschiedenen musikalischen Vorlieben wider."
The Positives ist sehr von Classic Rock beeinflusst, und stets schimmert das Interesse sowie die Bessessenheit für Künstler wie Dylan, James Brown, Curtis Mayfield und Sam Cook durch das Songwriting und die Spielweise hindurch.
Goodness Gracious ist ein rauer, strikt-statischer Rocker, der direkt aus dem Keller schallt, während
The Pleasure Is All Mine bluesig und ungestüm daherkommt und als ein Song aus einem viel früheren Jahrzehnt durchgehen könnte. Sogar Vasolis Stimme – wie er hier singt, jault und heult – ist im Vergleich zum schmachtenden Gesang seiner früheren Band kaum wiederzuerkennen.
"Ein immer gleicher Sound langweilt mich ziemlich schnell. Ich mag es, wenn man die Leute auf Zack hält, ihnen etwas Unerwartetes bietet", sagt Vasoli.
"Besonders mit dieser Band konnten wir es einrichten, etwas zu machen, das nicht der Norm entspricht und nicht typisch ist für das, was eigentlich andere Bands machen. Im Vergleich zum letzten Album, bei dem ich sehr von Drive By Jehu und Fugazi und der ganzen Post-Punk-Ära beeinflusst war, habe ich diesmal eindeutig mehr Classic Rock sowie Soul- und Funkeinflüsse mit eingebracht. Man hört weniger rückwärtsgewandten Rock, als vielmehr den uns eigenen Rock'n'Roll, der sich für uns so erfrischend anfühlte."

Ein weiterer bedeutender klanglicher Unterschied zwischen Person L und anderen vergleichbaren Bands, ist ihr ungewöhnlicher Umgang mit Percussions und Rhythmen. Die Band rühmt sich zweier Drummer, die ganz verschiedene Stile und Techniken anwenden und dadurch neue und interessante Rhythmen in die Songs einbringen. Die Band zielt darauf ab, den Hörer mit neuen Soundlandschaften und innovativen musikalischen Kompositionen aufzurütteln und zu überraschen. Tatsächlich gehörte die rhythmische Seite der Songs von Person L zu den wichtigsten und durchdachtesten Elementen während des Songwriting- und Aufnahmeprozesses dieses Albums.
"Einen Großteil unserer Zeit haben wir damit verbracht, darüber nachzudenken, wie wir zwei Percussions unterstützend und kreativ einsetzen können, ohne dabei zu übertreiben und protzig zu klingen", sagt Vasoli.
"Unsere Drummer verpassen der Band wirklich zwei unterschiedliche Flanken. Beide machen das, was sie da tun, sehr gut, und haben doch einen unterschiedlichen Stil. Wenn sie gemeinsam spielen, passen sie zusammen wie Brot und Butter. Wir wollen eine zusätzliche Rhythmusfraktion, nur soll sie nicht übertrieben daherkommen. Sie taucht einfach immer an der richtigen Stelle auf und macht die ganze Sache ein wenig abgefahrener – einfach damit es nicht so scheint, als höre man stets dieselben Songs, wie das bei allen möglichen anderen Bands der Fall ist."

Die Scheibe reflektiert (wie der Titel ja bescheinigt) einen gewissen Optimismus und spornt den Hörer musikalisch und textlich an, dem Leben mit beidem zu begegnen: Zuversicht und Empfindsamkeit. Die zwölf Songs auf dem Album erkunden diese einfachen Ideen mit komplexer und vielschichtiger Instrumentierung und Vasolis nachdenklichen, aufrichtigen Texten.
Stay Calm, ein überlegter, bedächtiger Song, der an Radiohead erinnert, repräsentiert für Vasoli den Kampf zwischen positiver Einstellung und Selbstzweifel. An dieser Stelle werden Türen geöffnet für neue Fans, die mit den
früheren Arbeiten Vasolis nicht vertraut sind. Gleichzeitig wird den Fans, die seit langer Zeit dabei sind, die Chance gegeben, einen ihrer Lieblingsmusiker wachsen zu sehen und Zeuge seiner Veränderung zu einem vielschichtigerem Künstler zu werden. Am Ende ist jedoch das Wichtigste, was diese Platte offenbart, die Leidenschaft von Person L für die Musik, die sie machen.
"Es ist eine große Belohnung für mich, in dieser Band zu sein und diese Musik zu machen", kommt Vasoli zum Schluss,
"es ist eine Belohnung, solch eine Platte zu machen. Ich erwarte nicht, dass sie erfolgreicher wird als The Starting Line, aber es ist ein wunderbares Gefühl, etwas zu tun, dass sich irgendwie wichtig anfühlt."
Person L sind:
Kenneth Vasoli – Gitarre & Gesang
Ryan Zimmaro – Drums & Percussion
Brian Medlin – Drums, Percussion & Backing Vocals
Charles Schneider – Bass & Backing Vocals
Nathaniel Vaeth – Rhodes Piano & Gitarre